Lesezeit: 12 Minuten | Zielgruppe: Entscheidungsträger, IT-Strategen, politisch interessierte Bürger
Einleitung: Warum Breitbandausbau das falsche Ziel ist
Seit zwei Jahrzehnten wird der digitale Erfolg Deutschlands am verlegten Glasfaser-Kilometer gemessen. Doch Hardware ohne intelligente Software ist wie ein High-End-Rechner ohne Betriebssystem: teurer Elektroschrott. Während wir im Jahr 2026 noch immer über die Digitalisierung von Formularen sprechen, haben Nationen wie Estland oder Singapur den Staat bereits als Plattform definiert.
Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel. Wir brauchen kein „Digitales Rathaus“, wir brauchen das „Betriebssystem Deutschland“ (Bund-OS). Ein System, das Bürokratie nicht nur digital abbildet, sondern sie durch Code überflüssig macht.

I. Die Bestandsaufnahme: Ein Land im Datensilo
Deutschland leidet unter einem föderalen Daten-Flickenteppich. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte der Befreiungsschlag sein, doch die Bilanz 2025/2026 bleibt ernüchternd:
- Status Quo: Weniger als 50 % der 575 Verwaltungsleistungen sind vollumfänglich “Ende-zu-Ende” digitalisiert. (Quelle: OZG-Monitoring-Bericht der Bundesregierung, Stand Jan 2026).
- Das Kernproblem: Wir haben über 20.000 unterschiedliche IT-Verfahren in den Kommunen, die nicht miteinander kommunizieren können.
- Kosten der Ineffizienz: Die öffentliche Verwaltung verbraucht jährlich rund 7 % des BIP für rein administrative Aufgaben. Eine konsequente Digitalisierung könnte laut Schätzungen des Nationalen Normenkontrollrates jährlich bis zu 25 Milliarden Euro einsparen.
II. Die technologische Lösung: Staat als Plattform (GaaS)
Ein modernes Betriebssystem für einen Staat muss auf drei technologischen Säulen ruhen, die über das bisherige „Portalverbund“-Konzept hinausgehen.
1. Die Registermodernisierung und das “Once-Only-Prinzip”
In einem smarten Staat muss ein Bürger seine Daten exakt einmal angeben.
- Technik: Implementierung einer sicheren, verschlüsselten Identität (eIDAS 2.0 konform) in Verbindung mit einer dezentralen Datenbankstruktur.
- Vorteil: Wenn Sie umziehen, wissen das Finanzamt, die Kfz-Stelle und die Krankenkasse automatisch Bescheid – natürlich nur mit Ihrer expliziten digitalen Freigabe (Self-Sovereign Identity).
2. Open Source und Modulare Architektur
Wir müssen uns von der Abhängigkeit von Big-Tech-Monopolen lösen.
- Strategie: Der Bund muss zum größten Softwarehaus des Landes werden. Jede Zeile Code, die mit Steuergeldern bezahlt wird, muss Open Source sein (Public Money, Public Code).
- Interoperabilität: Durch standardisierte APIs (Schnittstellen) können Start-ups innovative Apps für staatliche Dienstleistungen bauen, genau wie Entwickler Apps für das iPhone-OS bauen.
3. KI-Infrastruktur für die Sachbearbeitung
Rund 60 % aller Verwaltungsakte sind Routineaufgaben (Parkausweise, Kindergeldberechnung, Gewerbeanmeldungen).
- Einsatz von LLMs (Large Language Models): Ein staatseigenes, datenschutzkonformes KI-Modell (basierend auf deutschen Cloud-Infrastrukturen wie Schwarz Digits oder IONOS) kann Anträge in Echtzeit prüfen.
- Statistik: Erste Modellprojekte in Dänemark zeigen, dass KI-gestützte Fallbearbeitungen die Durchlaufzeit von 14 Tagen auf unter 3 Minuten reduzieren können (Quelle: European Commission Digital Economy and Society Index 2025).
III. Die politische Dimension: Der “Digitaler Demokrat”
Hier schließt sich der Kreis zu meiner Vision. Digitalisierung ist kein technisches Problem, sondern eine Machtfrage. Ein „Digitaler Demokrat“ versteht, dass ein langsamer Staat die Demokratie gefährdet.
- Transparenz durch Blockchain: Warum nutzen wir Blockchain nicht für die Nachverfolgung von Subventionen oder staatlichen Vergaben? Das würde Korruption verhindern und das Vertrauen in den Staat massiv stärken.
- Digitale Teilhabe: Ein Betriebssystem muss inklusiv sein. “Smart Cities” dürfen niemanden abhängen. Das OS Deutschland muss eine Benutzeroberfläche haben, die so einfach ist wie WhatsApp.
IV. Fazit und Forderungskatalog
Wir stehen vor der Wahl: Entweder wir verwalten den Mangel, oder wir programmieren den Fortschritt. Als Stimme für ein digitales Deutschland fordere ich:
Digitalministerium mit Richtlinienkompetenz: Schluss mit dem Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern.
Investitions-Shift: Umschichtung von 5 Mrd. Euro aus physischen Bauprojekten in die nationale Dateninfrastruktur.
Code-Pflicht: Kein staatlicher Auftrag mehr für Software ohne offene Schnittstellen.
„Technologie ist das Werkzeug, Freiheit das Ziel. Als Digitaler Demokrat arbeite ich daran, dass Deutschland im Jahr 2030 nicht nur mitredet, sondern den Standard setzt. Bleiben Sie kritisch, bleiben Sie optimistisch.“
— Ihr Hassan, der Digitale Demokrat.

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